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Auf einer Podiumsdiskussion der Grünen am 16. März 2018 hat Frau Burgdorf, Expertin vom Ornithologischen Verein Hildesheim (OVH), den Wert und die Empfindlichkeit des FFH- und Naturschutzgebiets "Am Roten Stein" sehr schön erklären können:

Das Naturschutzgebiet "Am Roten Stein" sei "sehr altes Grünland", schon seit mehreren 100 Jahren. Dadurch haben sich dort viele und insbesondere schutzbedürftige Arten etablieren können. Und auf Grund der Südwestausrichtung dieses Gebiets sind hier viele seltene wärmeliebende Arten zu finden. Es leben deshalb dort viele vom Aussterben in Niedersachsen bedrohte Pflanzen- und Tierarten (Rote-Liste-Arten), u.a.:

  • 12 Pflanzenarten der Roten Liste (wie z.B. der Fransen-Enzian)
  • 3 Vogelarten der Roten Liste (z.B. Neuntöter) und
  • 10 Schmetterlingsarten der Roten Liste

Durch den sehr hohen Schutzstatus als FFH-Schutzgebiet besteht ein Verschlechterungverbot für das Gebiet! Laut Frau Burgdorf muss mit "wissenschaftlicher Gewissheit nachgewiesen werden", dass eine Verschlechterung des Schutzgebiets ausgeschlossen sei, bevor eine Bebauung des Wasserkamps konkret realisiert würde. Und es bestehe damit eine Umkehrpflicht der Beweislast: Vor einer möglichen Bebauung muss nachgewiesen werden, dass es keine Verschlechterung gäbe.

Im Vorfeld der gemeinsamen Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses mit dem Finanzausschuss haben wir von der BI eine Email an alle Mitglieder des Hildesheimer Stadtrates verschickt, in dem wir die Wichtigkeit der FFH-Verträglichkeitsprüfung zu erläuterrn versuchten. Zur Information aller Büger*innen, dies ist die Mail nachfolgend wiedergegeben (dazu bitte auf den Schalter "Weiterlesen" drücken). 

In der Mail wird auf das erforderliche Ablaufschema der FFH-Verträglichkeitsprüfung hingewiesen. Dieses ist hier zu finden: FFH-VP Ablaufschema.jpg

Wasserkamp und Drachenwiese grenzen direkt an ein Schutzgebiet von europäischem Rang an! Es handelt sich um das FFH-Gebiet Nr. 382 „Beuster“.

FFH-Gebiete (Flora-Fauna-Habitat-Gebiete, Bestandteile des Europäischen Schutzgebietsnetzes "Natura 2000") sind naturschutzrechtlich besonders streng geschützt. Teil dieses FFH-Gebiets ist das Naturschutzgebiet (NSG) „Am roten Steine“, dieses dient u.a. der Sicherung des FFH-Gebiets „Beuster“.

Bei Vorhaben, wie z.B. der Ausweisung neuer Wohngebiete, welche erhebliche Beeinträchtigungen eines FFH-Gebietes bewirken können, ist gemäß § 34 Bundesnaturschutzgesetz eine so genannte FFH-Verträglichkeitsprüfung durchzuführen. Diese Prüfung kann zur Unzulässigkeit des Vorhabens führen, ansonsten zu einem Ausnahmeverfahren mit so genannten kohärenzsichernden Maßnahmen (die Kohärenz des Europäischen Netzes muss gesichert werden).

Ein Neubaugebiet auf dem Wasserkamp in unmittelbarer Nähe zum Naturschutzgebiet würde sich auf jeden Fall so auswirken, dass die neuen Anwohner das NSG "Am roten Steine" als Grünfläche nutzen, d.h. u.a. darin herumlaufen (auch abseits des einen zulässigen Trampelpfads) und auch Ihre Hunde dort "Gassi führen" würden. Die Exkremente von geschätzt etwa 100 Hunden und weiteren 100 Katzen (bei 500 -600 Wohneinheiten) würden auf Dauer eine erhebliche Nährstoffanreicherung bewirken und damit die geschützten FFH-Lebensraumtypen "6210 Naturnahe Kalk-Trockenrasen und deren Verbuschungsstadien" sowie  "6510 Magere Flachlandmähwiesen" durch Eutrophierung schädigen.

In den "Vollzugshinweisen" des Landes Niedersachsen heißt es zum Schutz des Lebensraumtyps 6210: "Vorrangig sind Maßnahmen zur Abwehr bzw. Vermeidung der genannten und sonstigen möglichen Beeinträchtigungen und Gefährdungen. Dazu gehören: Keine Aufforstung, keine Umwandlung in gedüngtes Grünland (Vermeidung von Stickstoffeinträgen), kein Rohstoffabbau und eine Begrenzung der Trittbelastung durch Freizeitaktivitäten auf den Flächen."

Die unmittelbare Nachbarschaft eines Wohngebiets auf dem Wasserkamp und des FFH- und Naturschutzgebiets sind also sehr problematisch. Wir sehen nicht, wie die Stadt das häufige Freilaufenlassen von Hunden und das Umherstreifen von Katzen und die damit verbundene Beunruhigung bzw. Beeinträchtigung des Gebiets mit den dort lebenden Tierarten faktisch verhindern könnte.

Zum Schutz des FFH-Gebiets „Beuster“ und des Naturschutzgebiets „Am roten Steine“ dürfen also Wasserkamp und Drachenwiese auf keinen Fall bebaut werden!

Hinweis: Die Schutzgebietsverordnung für das NSG "Am Roten Steine" und weitere Dokumente über das NSG können auf der folgenden Homepage https://www.nlwkn.niedersachsen.de/naturschutz/schutzgebiete/einzelnen_naturschutzgebiete/naturschutzgebiet-am-roten-steine-42438.html heruntergeladen werden.